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5.1 Die Grenze ( 1919 - 1938 )

Am 25. November 1918 wird Wallern von 150 tschechoslowakischen Soldaten besetzt, die die Militärpflichtigen ausheben sollen. Die Kunde verbreitet sich auch im Oberplaner Bezirk und es wird die Aufforderung verbreitet, dass sie sich in Rohrbach versammeln sollen, man bemühe sich eine Volkswehr von 150 Mann aufzustellen. In der Nacht vom 29. auf 30. November wird der Bahnhof von Oberplan durch tschechoslowakisches Militär besetzt, Hauptmann Banda, der Kommandant der Volkswehr, wurde gefesselt.  Damit enden im Raum Glöckelberg – Oberplan die Versuche einer militärischen Gegenwehr.

Kaiserbilder abmontiert
Am 9. Dezember 1918 entfernt man in den Klassenzimmern der Schule die Kaiserbilder von Franz Josef und Kaiser Karl und drei Tage später treffen 12 tschechoslowakische Soldaten in Glöckelberg ein, die beim Kreuzwirt Josef Löffler die Nacht verbrachten. Sie sollten dann im Gemeindehaus einquartiert werden. Ihre Aufgabe sei es, die Grenze zu bewachen, da ein schwungvoller Handel mit Vieh nach  Oberösterreich betrieben werde. Tags darauf wurden sie jedoch nach Oberplan zurückberufen. Am 16. Dezember kam eine Vorhut von 2 Soldaten, weitere sollten folgen.

Probleme beim Grenzübertritt
Anfangs Jänner 1919 wurde der Grenzübertritt auf Befehl des tschechischen „Militärstationskommando“ in Budweis wesentlich eingeschränkt und nur mit einem von der Bezirkshauptmannschaft ausgestellten Pass erlaubt, auch bei der Einreise müssen Ausländer Dokumente vorlegen, die Zweck, Ziel und Dauer der Reise angeben.  Verboten und unter strenge Strafe gestellt wurde die Ausfuhr von bestimmten Waren. Strengste Bestrafung wurde als Hochverrat angedroht, wer Waffen einschmuggelt, Ortswehren aufzustellen versucht, aufreizende Reden hält und Agitation für Deutschösterreich betreibt.
Am 11. Jänner treffen aus Oberplan tschechoslowakische Soldaten ein, so dass die  Grenze von 9 Mann bewacht wird, „es kommt zu verschiedenen Missgriffen“. Um welche Missgriffe es sich handelte, wird nicht überliefert.

Finanzstrafen
Im Februar 1919 kommt eine Finanzwache, die beim Fuchsenwirt Quartier erhält. Ihr sollten die  Soldaten  alle Verstöße melden. Wegen unbefugten Ochsenverkaufs nach Österreich werden mehrere Geldstrafen zwischen 1000.- und 4000.- Kronen verhängt, die an den Armenfonds der Gemeinde abgeführt wurden.
Im April wurde ein ganzer „Militärzug“ (IX. Kompanie des Inf. Regiments 91) durch einen in Krumau stationierten  (VII. Kompanie) ersetzt, weil die Soldaten zu engen Kontakt zur Bevölkerung gehalten hatten.

Hausdurchsuchungen – Blinder Alarm
Am Pfingstmontag, das war der 9. Juni 1919, trafen 30 Mann Verstärkung aus Salnau ein, weil man einen Angriff aus Oberösterreich befürchtete. Damit dürfte sich die Mannschaftsstärke auf 75 erhöht haben. Sie wurden im Gemeindehaus und im Depot der Feuerwehr untergebracht. Die Soldaten zimmerten sich aus Stangen Pritschen zum Schlafen. Die Grenzsperre wurde strenger, nur in dringenden  Fällen wurde von der politischen Behörde ein Grenzübertritt genehmigt, die Genehmigung musste vom Gemeindeamt mit einem Foto versehen und dem Gendarmerieposten vorgelegt werden. Am 11. Juni kam es zu Hausdurchsuchungen durch das Militär. Man suchte nach ärarischen Gütern, vor allem nach Waffen. Revolver, Jagdwaffen, Säbel, Mäntel, auch aus Mäntel gefertigtes Zivilgewand wurde beschlagnahmt. Am selben Tag kam es durch die Regierung in Prag zur Aufhebung von (Schutz-)Bestimmungen des Staatsgrundgesetzes.
In der Nacht wurde Alarm ausgelöst. Die Soldaten glaubten, dass von Aigen tausend Mann im Anmarsch seien. Schnell wurde alles zusammengepackt. Die Strohsäcke wurden in Eile ausgeleert. In der Nacht um halb eins zogen alle bis auf 15 Mann in Richtung Bahnhof Oberplan. Es war ein Fehlalarm.
Am 13. Juni tauchte der erste Negersoldat aus einer französischen Kolonialtruppe auf, dem die Grenze gezeigt wurde. Frankreich hatte die tschechische Position sowohl in den Friedensverhandlungen als auch die Besetzung der deutschen Siedlungsgebiete durch militärische Abordnungen wesentlich unterstützt. In diesen Tagen fanden auch Einberufungen durch das tschechische Militär statt.
Nach Schwarzbach werden 200 tschechoslowakische Soldaten verlegt, da vom Militär Beurlaubte nicht mehr eingerückt waren.
Ende Juni werden in Glöckelberg die tschechischen Soldaten durch 40 Soldaten ersetzt, die sich in Südtirol zum tschechischen Staat bekannt hatten. Im August werden sechs Legionäre in Hüttenhof stationiert, die  Grenzwache durch einen Polizeihund verstärkt.
Im September kommt es wieder zu einer Ablöse des Militärs, das etwa 50 Mann stark ist. Die Verwendung der Bezeichnung „Deutsch-Böhmen“ wird verboten. Die Finanzwache wird im Haus Nr. 74 des Josef Stütz einquartiert.

Friedensvertrag - Standrecht
Am 10. November 1919 wurde in der Prager Burg der Friedensvertrag mit Österreich und Deutschland von Masaryk und Benesch unterzeichnet., den die österreichische Delegation schon am 5. November in Paris unter Prostest gefertigt hatte.
Acht Monate später, im Juli 1920, zieht das tschechische Militär unter Mitnahme ihrer Strohsäcke und mit zwei Holzbaracken nach Schwarzbach ab. Am 17.9. 1920 wird für alle Grenzregionen das Standrecht  verhängt. Gewisse Vergehen, insbesondere illegale Ausfuhr von Bedarfsgegenständen ins Ausland ab einem Wert von 4000. Kronen, werden mit der Todesstrafe bedroht. Die Proklamation fand in Glöckelberg durch einen Sekretär der Bezirkshauptmannschaft in Krumau im Beisein von drei Gendarmen statt.
Im selben Monat beginnt eine tschechisch-österreichische Grenzregulierungskommission mit der Vermessung und Vermarkung der Grenze.
Schulstreik
Im Oktober 1920 kommt es in allen deutschen Gebieten zu einem Schulstreik. Es ist eine Demonstration gegen die Schließung deutscher Schulen und gegen die Errichtung tschechischer Schulen mit einer Kinderzahl von 4 bis 5. Am 8. und 9. Oktober entfiel auch in der Schule Glöckelberg und in der Expositur Hüttenhof der Unterricht
Im Juni 1921 wird der Grenzschutz durch vier Soldaten kurzfristig verstärkt, um den Schmuggel mit Pferden und Vieh zu unterbinden.

Zollhaus
Im September 1924 erfolgt die Ausschreibung des tschechischen Zollhauses, wobei die Fertigstellung für  August 1925 vorgesehen  wurde. Die Eröffnung der „Zollstraße“ von Glöckelberg nach Ulrichsberg war erst am 15.9.1926. Wenige Tage vorher war der Zolleinnehmer Josef Hrbek mit einem Möbelwagen und ein vierter Finanzbeamter eingetroffen. Der Grenzübertritt war nunmehr mit einem gültigen Pass möglich und während früher nur 50.-Kronen frei waren, wurden es jetzt 3000.--.

+ Masaryk
So hat sich die Situation an der Grenze allmählich beruhigt. Als dann am 14. September 1937 der erste Präsident der Tschechoslowakischen Republik Th. Masaryk starb, wurde am Vorabend des Begräbnisses von der Grenzwache unter Beteiligung der Gendarmerie und der Vereine am Bartlberg ein „Höhengedenkfeuer“ entzündet. Diese Feuer brannten entlang der ganzen Grenze die ganze Nacht. Masaryk war anerkannt, auch bei vielen Sudetendeutschen. So schrieb der  wohl eher als kaisertreu einzustufende Pfarrer Essl anlässlich der 4. Wahl Masaryks am 24. Mai 1934 in der Prager Burg, (bei der Masaryk 327 Stimmen erhielt,  53 Stimmen waren leer, 38 entfielen auf den Kommunisten Gottwald) : „Die gesamte Presse des Inlands und des Auslandes betonen die  überragende Persönlichkeit unseres Präsidenten.“

Ohne Toleranz
Die „große“ Politik hatte sich nach den Friedensverträgen jedoch nicht gemäßigt, sie hat keinen Weg zu Toleranz und gegenseitiger Achtung finden können. Im Gegenteil, in vielen Teilen Europas kam es zu unheilvollen Radikalisierungen, teilweise zur Errichtung von Diktaturen und autoritären Regimes. Und selbst dort, wo man sich nach außen zu einer republikanischen Demokratie bekannte und moralische Ansprüche erhob, war man nicht bereit, im Inneren Zusagen einzuhalten, die man im Rahmen der Friedensverhandlungen gemacht hatte.


     Dr. Othmar Hanke
    
othmar.hanke@aon.at

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