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6.7 Das Jahr 1944 – Viel Schnee – Volkssturm

Viel Schnee
Ein milder Jänner, es regnete und manche Keller standen voll Wasser. Doch im Februar und März kam viel Schnee, die früheren Schneejahre waren nichts dagegen. Im Friedhof lag der Schnee höher als die Mauer, die Kreuze waren  nicht oder nur ganz wenig zu sehen. Das große schwere Kreuz von Ilk wurde umgedrückt. Beim Gasthof Schacherl reichte der Schnee bis zu den Fenstern, teilweise konnte man aus ihnen nicht hinaussehen.  Im Wald wurde die Schneehöhe auf drei bis vier Meter geschätzt. Erst Ende April begann der Schnee zu weichen. Noch in der Pfingstwoche wurde vom Hochficht und auch vom Pattelberg mit Schlitten Holz ins Tal gezogen.

Einquartierungen
Wie im Vorjahr waren auch in diesem Jahr Familien aus den gefährdeten Gebieten untergebracht, auch in der Pfarrkanzlei wohnte eine Frau mit zwei Kindern. Die Kanzlei war in den oberen Stock verlegt worden. Im Vorjahr kamen die Leute aus dem Rheinland, in diesem Jahr aus Wien.
In der Leidenswoche war wieder die Beichtwoche. Zur Aushilfe kam ein Geistlicher, auch ein Mariannhiller, der die schweren Luftangriffe auf Köln miterlebt hatte.

Jugendsonntag ohne Jugend
Der Jugendsonntag wurde diesmal am 14. Mai gefeiert, „aber mehr mit den Erwachsenen“. Die Maiandachten waren an den Sonntagen, am Anfang und am Ende, gut besucht – der Seelsorger vermerkt dazu : „..möge die liebe Gottesmutter doch einmal einwirken auf die Herzen der Pfarrkinder, dass man auch einmal eine Freude in der Pfarre erlebt, dass man sieht, dass ein wirkliches Verlangen zur Kirche hin in der Pfarre ist.“

Ein Lichtblick für den Seelsorger
Eine seltene Feier erlebte der Seelsorger am Pfingstsonntag: Ein Schneider aus Wuppertal, ledig, evangelisch, konvertierte in die katholische Kirche. Der Übertritt fand mit Genehmigung des Ordinariates in der Kirche von Glöckelberg statt. Er schätzte sich überglücklich – der Seelsorger wohl auch.
Am 16.6. 1944 war Herz- Jesu –Fest, der Kirchenbesuch war schwach, wie gewöhnlich.
Am 24. Juni war wieder die Wallfahrt der Hüttenhofler zur Gutwasserkiche in Oberplan. Die Orgel spielte die Chormeisterin von Glöckelberg.

Dankgottesdienst mit 6 Kinder
Am Feste Maria Heimsuchung war Erstkommunion. Eine „große Schar“ von Buben und Mädchen nahmen teil. Am 8. Juli wurde das Schuljahr mit einem Dankgottesdienst beendet, nur 6 Kinder waren erschienen.
Im Juli konnte der Seelsorger –„weil der Kirchenbesuch so schwach ist“ – einen Urlaub antreten. Er wurde von Oberplan und von einem Priester aus Nordmähren vertreten.

Attentat auf den Führer
Am 20. Juli 1944 wurde auf den Führer ein Attentat verübt. Im ganzen Land fanden Treukundgebungen statt, „weil die Vorsehung Gottes den Führer beschützt hat“. „Daraufhin bei Beginn des sechsten Kriegsjahres wurde der totale Einsatz noch mehr ausgebaut. Im Spätherbst wurde der Volkssturm aufgestellt.“ Dazu kamen alle zwischen 16 und 60 Lebensjahren. Jeden Sonntag fanden Volkssturmausbildungsübungen statt.
Am 4.9.1944 Beginn des neuen Schuljahres. Schulgottesdienst – „Besuch wie gewöhnlich“. Die Kinder mussten eine Bescheinigung ihrer Eltern mitbringen, dass nichts im Wege steht, den Religionsunterricht zu besuchen.

Christkönigsfest –„ Man kann nicht zwei Herren dienen“
Im Oktober wurde wieder das Christkönigsfest gefeiert, Jugendsonntag, Christkönigsweihestunde, Thema : „Man kann nicht zwei Herren dienen“.
In der Adventzeit wurden keine Rorateämter, nur Roratemessen gefeiert. Der Besuch war schwach.
Auch Maria Empfängnis wurde mit einer Abendmesse gefeiert, … wir hoffen, dass die Feste nach dem Krieg wieder zu Ehren kommen.“

Mitternachtsmesse mit Störaktionen
Zu Störaktionen kam es bei der Mitternachtsmette am 24. Dezember 1944. Für den Seelsorger war es ein schwerer Schlag, er schreibt: „ Sakramentenempfang war annehmbar, doch störte das hl. Amt mitternachts  ein unliebsamer Vorfall, ein Lausbubenstreich. Es wurde in den Weihwasserkessel auf der rechten Seite ein Fläschchen Tusche geschüttet und dann die Aufführung in der Kirche selber, das kann man sich nur in Glöckelberg erlauben. Besser ist es man geht überhaupt nicht in die Kirche als solchen Unfug zu treiben. Auch vor dem Amt wurde vor der Kirche Lärm gemacht. Der hl. Abend soll eine Familienfeier sein. Das ist dem Konto der Eltern zuzuschreiben, dass der hl. Abend außerhalb des Familienkreises gefeiert wird. Wie die Saat, so die Ernte!“ (Zur besseren Lesbarkeit geringfügig verändert, was „Aufführung in der Kirche“ bedeutet, ist nicht überliefert.)
Während der Weihnachtszeit hatte der Volkssturm frei, so konnte die Gnadenzeit auch zum Kirchenbesuch benutzt werden.
Das Wetter war um die Weihnachtszeit mild, es gab etwas Schnee seit November. Im Dezember gab es einige Regentage, die für die Wasserversorgung sehr notwendig waren.
Sorgen zum Jahresabschluss
Der letzte  Tag des Jahres war ein Sonntag. Um 4.00 Uhr Nachmittages war Jahresschlussandacht mit Predigt. “Was wird das neue Jahr bringen? Viel Leid und Not und Tod brachten uns schon die Jahre des Krieges vom Anfang des Völkerringens September 1939 bis jetzt 1944. Viele haben liebe teure Angehörige und zuletzt auch noch ihr Heim verloren.“

Volksbewegung 1944: 24 Taufen, 3 Trauungen, 8 Begräbnisse, davon waren 2 Kinder noch nicht 1 Jahr alt.

 


     Dr. Othmar Hanke
    
othmar.hanke@aon.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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