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6.1 Oktober 1938 – Dezember 1938 – Neue Ordnung unter dem
     Hakenkreuz

Aus dem Gemeindegedenkbuch:
Glocken läuten
Die Häuser waren mit Hakenkreuzfahnen geschmückt und als die Glocken beim Einmarsch läuteten, konnte man sie im Radio im ganzen Reich hören. Unter Lachen und Weinen wurden die Soldaten als Befreier begrüßt.

Rechtsfahrordnung
 Eine der ersten Maßnahmen war, auf den Straßen die Rechtsfahrordnung einzuführen. Männer, die beim Freikorps waren, traten geschlossen der SA (Sturmabteilung) bei.

Kaufmann Julius Schwarz
Ärmere Leute wurden mit Lebensmitteln und Kleidung beteilt. Der Kaufmann Julius Schwarz, ein Jude, war geflüchtet. Sein Warenbestand wurde von der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) übernommen und teilweise verteilt.

Adolf Hitler in Krummau
Als am 20. Oktober Adolf Hitler nach Krummau kam ( nunmehr wurde der Name auch offiziell mit zwei „m“ geschrieben), fuhren alle, die konnten, nach Krummau. Poferl mit seinem Auto, mit Autos der in Glöckelberg stationierten Pioniere und mit Fahrrädern.

Preisregulierungen
Der Umrechnungskurs wurde mit 12 Pfennigen für 1 Kč festgesetzt und die Bezirkshauptmannschaft regulierte die Fleischpreise. Rindfleisch 1 kg 1,20 bis 1,44 RM (Reichsmark), Schweinefleisch 1,44 bis 1,68 RM. Eine starke Preissteigerung trat bei Bier ein, da für die Soldaten große Mengen erforderlich waren. Es wurde auch aus Schlägl, Linz und Passau heran geholt. Preis pro Liter 6 Kč.

Fahrverbindung nach Linz
Eine tägliche Fahrverbindung über Oberplan, Schwarzbach, Aigen in die Gauhauptstadt Linz wurde eingeführt. Abfahrt in Glöckelberg 5,10 Uhr, Ankunft in Linz 8,55 Uhr; Linz ab 16,30, Ankunft in Glöckelberg 20,10 Uhr. Ab 15. November gingen auch täglich zwei Autobusse nach Krummau.
Nach Abzug der Pioniere in ihre Garnison Fürstenwald bei Berlin und Reinigung des Schulhauses, wo sie einquartiert waren, wurde am 28.10. 1938 der Unterricht wieder aufgenommen.
Aus Deutschland kehrten mehrere Männer zurück, die schon früher dort Zuflucht und Arbeit gefunden hatten. So Alois Pangerl, der in Berlin bei der Polizei diente und Friedrich Springer, der in der Leibstandarte des Führers Dienst machte. Dieser hielt sehr gut besuchte Vorträge über seine Erlebnisse in Deutschland.

Arbeitslose
An Arbeitslose wurden Unterstützungen angewiesen. Für manche Arbeitslose war es weniger angenehm, da sie auch zu auswärtigen Arbeiten verschiedener Art herangezogen wurden. Andere wieder meldeten sich freiwillig zum Arbeitsdienst.

Viehmarkt in Oberplan
Am 15.11.1938 war Viehmarkt in Oberplan und nach 24 Jahren konnte man auf der Straße von Schöneben wieder das Treiben größerer Mengen von Rindvieh beobachten.
Mit drei großen Autobussen wurden am 16.11. insgesamt 120 Kinder aus Glöckelberg, Hüttenhof und Radschin zur Erholung nach Tirol gebracht, von wo sie erholt und reich beschenkt kurz vor Weihnachten zurück gebracht wurden.

Ergänzungswahlen in den Reichstag.
Am 4. Dezember kam es zu Ergänzungswahlen in den Reichstag. Fackelzüge wurden abgehalten und überall wurden Höhenfeuer entzündet. Das Wahllokal war in der Schule und festlich geschmückt. Wie erwartet, war das Ergebnis ein 100%-iges Ja für den Führer.  Abgegebene Stimmen 780. Im Bezirk Krumau wurden 30.043 Stimmen abgegeben, davon waren 5 „Nein“ und 7 ungültig.

„Graf Zeppelin“
Am Tag vor der Wahl konnte man über Glöckelberg die langsame Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ beobachten. Flugzettel wurden abgeworfen und man konnte aus dem Luftschiff Musik vernehmen. Die Flugzettel hatten das Format einer Postkarte mit folgender Aufschrift: „Über diesem Großdeutschen Reich liegt schützend der deutsche Schild und schirmend das deutsche Schwert –Adolf Hitler“.
Am 6.12.1938 brannte in Hüttenhof das Haus des Poidinger, Hausnahme „Schürer“, nieder. Eine Kuh und zwei Schweine verbrannten.
Beim „Volksweihnachtsabend gab es Kaffee mit Weihnachtsstriezel . So hat sich in der noch so kurzen Zeit nach dem Umbruch vieles zum Besseren gewendet und Freude war mit eingekehrt“

Aus dem Pfarrgedenkbuch:
Nur 12 Zeilen
Der Chronist des Pfarrgedenkbuches, der Administrator der Pfarre Glöckelberg, Georg Matzner, fasste das Geschehen des Jahres 1938 in nur 12 Zeilen zusammen :
„1938 – war politisch sehr bewegt. Am 12. März 1938 wurde Österreich ans Deutsche Reich angeschlossen.. Die Grenze hier wurde verschärft (bewacht) und Barrikaden auf den Wegen errichtet….Im Herbst wurde das Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen. Am 1. Oktober marschierte das reichsdeutsche Heer über die Grenze nach Glöckelberg. Furchtbare 14 Tage gingen dieser Zeit voraus. Fast alle Wehrpflichtigen waren über die Grenze geflüchtet. Die Zurückgebliebenen trauten sich vor der Wut der Tschechen nicht ruhig zu schlafen. Im Pfarrhofe waren durch 14 Tage Militär einquartiert, 2 Offiziere und 18 Mann. Im Jahre 1938 fand keine Visitation statt.“


     Dr. Othmar Hanke
    
othmar.hanke@aon.at

 

 

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